21. Okt 2015 | Nr. 95 | Kategorie: Regionenpressedienst

Außer Kontrolle!

Endre Tót, Stempelaktion, 1978/89, Foto: Hertha Paraschin, VG Bild-Kunst Bonn

Endre Tót, Stempelaktion, 1978/89, Foto: Hertha Paraschin, VG Bild-Kunst Bonn

Neue Ausstellung in der Galerie Alte und Neue Meister und im Schloss Güstrow zeigt Grafiken und „Mail Art“ in der DDR

„Außer Kontrolle! Farbige Grafik und Mail Art in der DDR“ – so lautet der Titel der neuen Schau im Staatlichen Museum Schwerin sowie im Schloss in Güstrow, die vom 20. November bis zum 14. Februar präsentiert wird. Die Ausstellung zeigt die Funktionsweise und Bedeutung der DDR-Grafik in ihrer künstlerischen Vielfalt und Experimentierfreude. In der Schweriner Sammlung zeigen sich diese insbesondere in der farbigen Grafik und in den Aktivitäten des so genannten Mail Art-Netzwerks. „Mail Art“ bezeichnet dabei vordergründig die im Netz eines Postdienstes gesendeten Briefe, Karten, Gegenstände und Dokumentationen von Aktionen, Ausstellungen und anderen Kunstprojekten, die von „Mail Art“-Künstlern produziert, versendet, gesammelt und archiviert werden. Mit subversivem Humor demonstrieren die Werke der Schau, was Kunst in der Diktatur leistete. Zudem entwickelten die Künstler unkonventionelle Drucktechniken und Strategien, um mit den einengenden gesellschaftlichen Umständen kreativ umzugehen. Kunst und inoffizielle Ausstellungsorte wurden zu einer alternativen Öffentlichkeit. Darüber hinaus intervenierten Künstler mit Performances oder Land-Art-Aktionen gegen den offiziellen Formenkanon der DDR. Mecklenburg empfahl sich für diese experimentellen Formen als Rückzugsgebiet. Die Ostseeinseln wurden mit Performances und Land-Art-Aktionen zu Inseln der Kunst. In der „Galerie Alte und Neue Meister Schwerin“ des Staatlichen Museums Schwerin wird der Sammlungsschwerpunkt „Farbige Grafik‘“ präsentiert. Auf Schloss Güstrow setzt sich die Ausstellung mit grenzüberscheitenden Kunstformen wie Mail Art, experimentellen Happenings und Performances fort. Die Annäherung an die DDR-Vergangenheit und das Wissen um das Leben in der Diktatur wird durch ein vielseitiges Rahmenprogramm vertieft. Gerade angesichts aktueller internationaler Ereignisse wie der Entdeckung einer umfassenden Datenüberwachung durch Geheimdienste ist die Frage nach dem Umgang jedes Einzelnen mit staatlicher Überwachung wieder virulent geworden.

Vom 14. bis 16. Januar 2016 findet die Tagung „Land der Grafik. Konjunktur eines Mediums in der DDR“ im Alfried Krupp-Wissenschaftskolleg Greifswald statt,
vorbereitet vom Dresdner Institut für Kulturstudien DIK und dem Staatlichen Museum Schwerin und unter Leitung von Prof. Dr. Sigrid Hofer, Kunstgeschichtliches Institut, Philipps-Universität Marburg.

Verbundprojekt Land der Grafik
Die Ausstellung in Schwerin und Güstrow ist zugleich Auftakt des überregionalen Ausstellungs- und Forschungsprojektes „Land der Grafik. Konjunktur eines Mediums in Ostdeutschland“, das gemeinsam vom Staatlichen Museum Schwerin und dem Dresdner Institut für Kulturstudien e. V. (DIK) initiiert wird. Im Zuge dieses bis 2017 laufenden Projektes werden weitere namhafte deutsche Museen ihre Bestände präsentieren und somit erstmals insgesamt das System „Grafik in der DDR“ in einen größeren Kontext stellen.

Weitere Informationen: www.museum-schwerin.de, www.schloss-guestrow.de

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