06. Jun 2014 | Nr. 62 | Kategorie: Genuss und Kultur

Backstein, Bier und Bürgerhäuser

Das neue Welt-Erbe-Haus in Wismar, Foto: Hanjo Volster

Das neue Welt-Erbe-Haus in Wismar, Foto: Hanjo Volster

Zwei Tage und zwei Städte: Stralsund und Wismar erzählen mit monumentalen Zeitzeugen und norddeutscher Gelassenheit von ihrer hanseatischen Tradition. Hetzen muss sich dabei niemand, denn hier liegt alles dicht beieinander.

Tatort Wismar: An buchstäblich jeder Ecke der historischen Innenstadt hat es schon einmal gekracht, wurde gedroht oder auch gedroschen. Nur fiktiv natürlich. Denn seitdem die Hansestadt Schauplatz der ZDF-Reihe „SOKO Wismar“ ist, gehen mitten im Weltkulturerbe Straftaten und andere Verwicklungen in Serie.

Als wir in der Hansestadt Wismar ankamen, wussten wir davon noch nichts. Aber wir hatten schnell dieses ganz spezielle Gefühl, als ob man eine alte Bekannte trifft: ein bisschen neu und aufregend, dabei aber sehr vertraut. Gleiches gilt übrigens auch für Stralsund, unsere zweite Station. Um eines vorwegzunehmen: Selbstverständlich kann man in den einst so mächtigen Handelsmetropolen weit mehr als 48 Stunden verbringen. So viel Geschichte und Geschichten gibt es zu entdecken.

Während der „SOKO“-Führung in Wismar stellte sich heraus, dass die Stadt längst einen festen Platz in der Filmbranche hat: 1921 drehte Friedrich Wilhelm Murnau hier seinen Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“. Als wir durch die verschwiegenen Gassen schlenderten, spürten wir die Magie des mittelalterlich-hanseatischen Flairs, das auch die Filmemacher inspirierte. Mit filmreifer Kulisse umgibt sich auch der Hafen, wo es nach Tang und Teer riecht, nach frischem Rauch und gebratenem Fisch.

Wer die Ostseeküste besucht, kommt an der Backsteingotik nicht vorbei. Großartige Landmarken wie das 1171 gegründet Doberaner Münster sind an sich schon eine Reise wert, und auch in Rostock und Greifswald ragen mittelalterliche Wolkenkratzer heraus. Nirgends aber ist das Mittelalter so lebendig wie in Wismar und Stralsund, nirgends sonst blieb der Grundriss so unverfälscht erhalten. St. Georgen und St. Marien in Wismar, Nikolaikirche und Katharinenkloster in Stralsund – das sind mittelalterliche Meisterleistungen, zu denen wir immer wieder ehrfürchtig aufschauen. Uns jedenfalls wundert es nicht, dass die UNESCO-Jury beide Altstädte in das Weltkulturerbe aufnahm.

Stadt- und Weltenbummler freuen sich darüber, dass hinter den schmucken Giebeln der stolzen Bürgerhäuser heute Kaffee, Kuchen und regionale Köstlichkeiten serviert werden. Früher wurde hinter fast jeder Tür auch Bier gebraut. Allein Wismar verschiffte im Mittelalter bis zu sechs Millionen Liter pro Jahr. Die große Tradition pflegt auch die Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund mit dem „Bier der Gerechten“. Vorzugsweise steht in beiden Hansestädten natürlich Fisch auf den Speisekarten. Ambitionierte Gastronomen haben zudem längst einen Sport daraus gemacht, heimische Eigenarten mit der Küche der weiten Welt zu kombinieren. Was für ein Glück für Genießer. Denn all die fremd-vertrauten Spezialitäten geben einem dieses heimelige Gefühl – das Gefühl angekommen zu sein.

Weitere Zutaten für ein perfektes Genießer-Wochenende in einer der Hansestädte finden Sie unter:
www.auf-nach-mv.de/kulturstaedte
www.wismar.de/tourismus
www.stralsundtourismus.de

24 Stunden in Wismar
Frühstück mit Charme: Das urgemütliche „Café Glücklich“ in der Schweinsbrücke 7 serviert die besten Waffeln der Stadt.

Störtebekers Wismar: Gemütliches Schlendern durch den historischen Alten Hafen der Hansestadt auf den Spuren des sagenumwobenen Freibeuters.

Wismar l(i)ebt Fisch: Die „Seeperle“ am Schiffbauerdamm 3 ist vom Feinschmecker ausgezeichnet als eines der besten Fisch-Restaurants Deutschlands.

Eine prickelnde Angelegenheit: Verkostung im historischen Gewölbe der „Hanse Sektkellerei Wismar“, der nördlichsten Sektkellerei Deutschlands.

Klassische Klänge in heiligen Hallen: Die bis ins Jahr 2010 aufwendig restaurierte St.-Georgen-Kirche ist imposantes Gotteshaus und Konzertkulisse zugleich.

Tafeln in Wismars ältestem Bürgerhaus: Am Markt 22 im „Alten Schweden“ steht gutbürgerliche, mecklenburgische und gehobene Küche auf der Speisekarte.

Das erste Haus am Platz: Übernachten im „Steigenberger Hotel Stadt Hamburg“ im historischen Ensemble des Marktplatzes.

24 Stunden in Stralsund
Größer als Windbeutel: Hausgemachte Riesensturmsäcke und viel Flair auf kleinstem Raum im familiengeführten „Café Kelm“ in der Böttcherstraße 31.

Ausblick mit Weitblick: Auf dem Turm der Marienkirche am Neuen Markt liegen die Hansestadt, die Giebel des Rathauses und das Meer dem Besucher zu Füßen.

Paradies für Bibliophile: Das „ABC Antiquariat“ in der Badenstraße 44 in einem altehrwürdigen Doppelgiebelhaus bietet 20.000 Bücher in 25 Abteilungen auf 100 Quadratmetern.

Ein Stück zeitgemäße Bau- und Lebenskultur: Bummel durch die Ossenreyerstraße, Stralsunds Flaniermeile mit Kaufhäusern und kleinen Geschäften.

Europas Museum des Jahres 2010: Das Ozeaneum zeigt faszinierende Meereswelten in dem spektakulären Museumsgebäude auf der Hafeninsel.

Moderne Küche im historischen Türmchenspeicher auf der Hafeninsel: Das Restaurant „Speicher 8“ und sein Küchenchef Peter Fleisch verbinden Gastlichkeit mit Gaumenfreuden.

700 Jahre Stralsunder Geschichte: Hanseatisch willkommen im „Hotel Scheelehof“, Geburtshaus des Sauerstoffentdeckers Carl-Wilhelm Scheele in der Fährstraße 23–25.


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