23. Apr 2012 | Nr. 38/12 | Kategorie: Pressemitteilungen

Von „Airbeat One“ bis „Zappanale“: In Mecklenburg-Vorpommern beginnt die Festival-Saison

Immergut Festival 2011, Foto: Niklas Wolter

Immergut Festival 2011, Foto: Niklas Wolter

Bandbreite reicht von Rock über Indie und Punk bis Elektro und Folk

Mecklenburg-Vorpommern ist bekanntlich ein Flächenland, und wo genug Platz ist, da kann auch ausgiebig gefeiert werden. So haben sich im Nordosten ganz unaufgeregt einige der wichtigsten Sommerfestivals entwickelt. Oft von Landeskindern organisiert, die in idyllischer Umgebung ihre Lieblingsmusik feiern. Die gute Nachricht ist, dass dabei eher auf Qualität als auf Masse gesetzt wird. Die schlechte: Einige sind so schnell ausverkauft, dass man als Interessent ziemlich früh aufstehen muss.

Nicht groß sollen die Festivals in Meck-Pomm sein, sondern gut. Um nicht zu sagen: „Immergut“. Das ist der Name des Lieblingsfestivals für Fans des Indie-Rock mit allen seinen Verzweigungen in die Elektro-Musik, Folk oder ambitionierten Dancefloor. Direkt vor den Toren der Residenzstadt Neustrelitz findet es statt, aber nicht mehr als 5000 Besucher werden aufs Gelände gelassen. Das Publikum bleibt überschaubar, die Musik, immer im Wechsel auf zwei Bühnen, ist dadurch umso besser zu genießen. Und man ist hautnah dran an den großen Indie- und zunehmend auch Elektro-Bands dieser Welt. In diesem Jahr unter anderem „Whomadewho“, „The Hundreds in the Hands“ und „Tall Ships“.

Etwas weiter westlich, aber ähnlich idyllisch gelegen, findet etwas statt, für das es schwer ist, überhaupt einen Namen zu finden. „Fusion“ nennt sich das ganze, ein Veranstaltungskonglomerat aus Musik, Performance, Kunst, Mitmachworkshop, Selbstfindungstrip und Lebenshilfe. Der Ort spricht für sich: ein alter russischer Militärflugplatz in Lärz. Leere Hangars und ganz viel Wiese. Wo früher die Kampfbomber parkten, ruhen sich jetzt die Dauertänzer aus. Und weil in Mecklenburg-Vorpommern alles gut überlegt sein will, ist die „Fusion“ nichts für Kurzentschlossene. Denn die 55.000 Tickets werden verlost, und das schon im Dezember des Vorjahres. Nachzügler haben noch ab Mai eine Chance, wenn die Ticketbörse öffnet. Bis dahin: Keine Karten, kein Programm, keine Fotos. Das Fest wird bunt, die Details bleiben geheim – bis zur Veranstaltung.

Bunt im wahrsten Sinne ist auch das „Force Attack“ in Klingendorf bei Rostock. Bunt vor allem auf und in den Köpfen. Was Wacken für die Metal-Fans, das ist das „Force Attack“ für die Punks. Dann zieht eine unkonventionelle Ausgelassenheit in die Rostocker Heide, und in den Supermärkten der Umgebung wird das Bier knapp. Die Musik reicht von jungen Wilden bis hin zu etwas angegrauten, aber energischen Musik-Rebellen, in diesem Jahr etwa „Toxoplasma“ oder „Peter and the Test Tube Babies“. Doch selbst wer die Bands nicht mag: sehenswert ist Deutschlands größtes Punk-Festival allemal.

Klingendorf ist übrigens auch der Schauplatz eines noch recht jungen, aber schon gut etablierten Welt-Musik-Festivals. Das „Nuevo Sol“ vereint in diesem Jahr Bands aus Uruguay und Ungarn, aus Mexiko und Costa Rica.

Es ist ja nicht so, dass alle Festivals des Landes nur aufs jüngere Publikum zielen. Ein Hipster der ganz alten Schule steht auf dem Programm eines Open Airs in Bad Doberan, westlich von Rostock. Bart ist Pflicht. Denn der Mann, um den es geht, heißt Frank Zappa. Doberaner Enthusiasten haben die „Zappanale“ Anfang der 90er-Jahre ins Leben gerufen und enorm vergrößert, so dass neben frickeligen Blues-Rock- und Experimental-Jazz-Combos auch Stars anreisen, nicht zuletzt die Bands von alten Weggefährten Zappas. Der Geiger Jean-Luc Ponty gehört in diesem Jahr dazu. Außerdem die grandiosen Norweger von Motorpsycho und viele andere. Nur der Meister selber fehlt leider – seit 1993. Immerhin wurde ihm mit einer Bronzeskulptur mitten in der Stadt ein Denkmal gesetzt.

Das Festival „Zuparken“ in dem kleinen Ort Kägsdorf gleich am Wasser hat mit der „Fusion“ einiges gemeinsam: Es ist schon im Dezember ausverkauft, die eintausend Karten gehen weg wie warme Brötchen. Das Musik-Programm gibt es erst, wenn das Festival losgeht. Und auch „Zuparken“ ist mehr als ein Festival: zur Musik gibt es Surf-Wettbewerbe, Workshops, Einführungskurse und das neueste in Sachen Surf-Zubehör. „Zuparken“ – das bezeichnet auch eine Lebenseinstellung. Und nicht ganz zufällig hat sich das Festival zum Treffen für T4-Liebhaber entwickelt. Da wird man gewissermaßen historisch von VW-Bullis zugeparkt.

Überall darf getanzt werden. Und wer am liebsten die harten Beats hat, dem sei zum guten Schluss das „Airbeat One“ in Neustadt-Glewe empfohlen. Wieder ist ein Flugplatz der Ort des Geschehens, und die Gästeliste kann sich sehen lassen: Deichkind, Fritz Kalkbrenner und Oliver Koletzki sind darunter, schließlich auch, so viel Lokalpatriotismus muss sein, Lexy und K-Paul zusammen mit Marteria, der wie der aktuelle Bundespräsident aus Rostock stammt. Willkommen zu Hause.

Termine:

Immergut, 25. bis 26. Mai, Neustrelitz

Nuevo Sol, 1. bis 3. Juni, Klingendorf

Zuparken, 14. bis 17. Juni, Kägsdorf

Fusion, 28. Juni bis 1. Juli, Lärz

Airbeat One, 12. bis 15. Juli, Neustadt-Glewe

Force Attack, 27. bis 29. Juli, Klingendorf

Zappanale, 1. bis 4. August, Bad Doberan


urlaubsnachrichten.de
Menü