24. Mai 2010 | Nr. 78/10 | Kategorie: 12 Literarisches MV

Von Fallada bis Fontane – auf literarischem Streifzug durch Mecklenburg-Vorpommern

Brinckman und Brecht, Fontane und Fallada – sie und noch viele andere Dichter und Schriftsteller ließen sich von Mecklenburg-Vorpommerns Landschaften und Menschenschlag inspirieren. So vielfältig wie die Natur sind auch die Spuren, die sie in Märchen, Sagen, Romanen oder Lyrik hinterlassen haben. Kreidefelsen und Sandstrände, tiefblaue Seen und imposante Backsteinbauten beflügelten die Fantasie einheimischer Literaten wie Fritz Reuter oder derer, die hier ihre Sommerfrische verbrachten wie Thomas Mann. Auf den Spuren berühmter norddeutscher Dichter und Schriftsteller können Literaturbegeisterte das Land aus einer ganz eigenen Perspektive entdecken. Immer mehr Urlauber wollen dies offensichtlich: Mehr als ein Viertel der Gäste im Nordosten gibt an, sich aufgrund des vorhandenen Kunst- und Kulturangebots im Land für Mecklenburg-Vorpommern als Reiseziel entschieden zu haben, zu dem auch die Literaturhäuser und -museen im Land gehören.

Namen wie Uwe Johnson, Fritz Reuter, Hans Fallada, John Brinckmann, Ernst Barlach oder Johannes Gillhoff sind auch über die Landesgrenzen hinaus vielen ein Begriff und repräsentieren gleichzeitig nur einen kleinen Teil der Schriftsteller, deren Leben und Werk tief in Mecklenburg-Vorpommern verwurzelt sind. Alfred Andersch wiederum, in München geboren, genügte schon eine kurze Begegnung mit dieser Landschaft, um die Handlung seines Romans „Sansibar oder der letzte Grund“ hier anzusiedeln: „…durch die immer anhaltende, allmählich eine Art magische Qualität annehmende Erinnerung an eine Wanderung, die ich im Jahre 1938 an der mecklenburgischen Ostseeküste unternahm.“

Die Schauplätze der teilweise zu Weltruhm gelangten Werke und Sagen aus längst vergangenen Zeiten öffnen Besuchern Türen, durch die sie auf ihrer Reise durchs Land gleichzeitig in die Parallelwelten der literarischen Fiktion eintauchen können. Ob auf eigene Faust oder mit professioneller Reiseleitung – das Angebot ist dabei so vielfältig, dass jeder Literatur- und Kulturinteressierte das Passende findet. Weitere Informationen: www.auf-nach-mv.de

Schmökern in 80.000 Bänden – Bücherhotel Groß Breesen
Laut einer Studie von TNS Emnid aus dem Jahr 2008 nutzen in Deutschland 68 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer während des Urlaubs die Möglichkeit Bücher zu lesen. Diese Literaturliebhaber können sich am Nordrand der Mecklenburgischen Seenplatte zwischen Güstrow und Krakow am See den Wunsch erfüllen, einmal in einer Bibliothek zu übernachten. In Deutschlands erstem Bücherhotel in Groß Breesen sind Gäste willkommen, die auf der Suche nach spannendem Lesestoff sind und sich in der Umgebung von mehr als 80.000 Büchern wohl fühlen, die unsortiert in allen Teilen des Gutes zum Schmökern einladen. Weitere Informationen: www.gutshotel.de

Auf den Spuren der Dichter und Romanfiguren – Literarische Spaziergänge in MV
Wer neben den Stunden im Hotel auch in den Städten und Regionen Mecklenburg-Vorpommerns schmökern möchte, ist zu Literaturführungen, -touren und -reisen eingeladen, auf denen das Land aus dem Blickwinkel der Literaten kennengelernt werden kann. So können sich Gäste in Rostock auf die Spuren der Schriftstellerfamilie Mann oder in Wismar auf die der Romanfigur Helander aus Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“ begeben. Im Landesinneren sowie an der Küste laden darüber hinaus Radwege ein, die Wirkungsräume Hans Falladas oder Fritz Reuters zu entdecken. Einen Zwischenstopp lohnen die Literaturhäuser und Museen im Land, wie das Fritz-Reuter-Museum in Stavenhagen, das Hans-Fallada-Haus in Carwitz oder das Uwe-Johnson-Literaturhaus in Klütz bei Boltenhagen. Weitere Informationen: www.fritz-reuter-literaturmuseum.de, www.fallada.de, www.literaturhaus-uwe-johnson.de

Ungewöhnliche Reiseführer für Mecklenburg-Vorpommern
Wem ein gewöhnlicher Reiseführer nicht genug Spannung bietet, der kann sich beispielsweise auch von Krimiautorin Birgit C. Wolgarten („Und es wurde Nacht “), Birgit Lautenbach („Hühnergötter“) oder George Tenner („Jagd auf den Inselmörder“) über die Inseln Mecklenburg-Vorpommerns begleiten lassen. Hobby-Ermittler können die Spurensuche der fiktiven Kommissare an den Schauplätzen auf Hiddensee, Rügen und Usedom nachvollziehen. Die Bücher sind in den Verlagen Prolibris und Schardt erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Ein ebenfalls ungewöhnlicher Reiseführer ist unter dem Titel „Weltklasse. 100 Anekdoten aus Mecklenburg-Vorpommern“ darüber hinaus im Hinstorff Verlag Rostock erschienen. In dem in Deutsch und Englisch verfügbaren Buch sind insgesamt 100 Geschichten zu finden, die zeigen, dass das Land im Nordosten Deutschlands mehr mit dem Rest der Welt verbindet, als oft vermutet. Eine englische Königin stammte von hier, das erste Benzinauto wurde hier gebaut, und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann war ebenfalls Mecklenburger. Wer diese Schauplätze entdecken möchte, dem gibt „Weltklasse“ Hinweise auf Museen und Orte, die mit den 100 Anekdoten eng verbunden sind.

In Zusammenarbeit des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Hinstorff Verlag, der auf eine knapp 180-jährige Geschichte zurückblickt, sind neben „Weltklasse“ noch weitere Bände publiziert worden, darunter die Erlebnisführer für Kinder und Eltern „Was machen wir morgen, Mama“ zu vier verschiedenen Urlaubsregionen in MV, das im Frühjahr 2010 erschienene Buch zur Wander-Tour der „Tatort“-Ermittler Jan Josef Liefers und Axel Prahl durch Mecklenburg-Vorpommern „Einsatzort Wanderweg“ oder die Edition Kulturlandschaft mit Bänden zur Backsteingotik, zur Bäderarchitektur und zu Schlössern und Gärten.

Nach der Lektüre kann man sich beispielsweise organisierten Reisen des Veranstalters „Literarisch Reisen“ anschließen, der Literaturinteressierte in die Künstlerkolonie Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst führt, in der unter anderem Bertholt Brecht, Uwe Johnson oder Johannes R. Becher ihre Spuren hinterlassen haben und wo Käthe Miethe neben Kinder- und Jugendbüchern Werke über ihre Wahlheimat, das Fischland, sowie andere Gebiete der Ostseeküste verfasste. Darüber hinaus führt „Literarisch Reisen“ Urlauber auf die Insel Hiddensee, die viele bedeutende Dichter, Maler, Schauspieler und Regisseure anzog und inspirierte, so auch den Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann, der 1933 in einem Brief erklärte: „Alte Liebe rostet nicht: Hiddensee hat sich mir, neu und jung, im hohen Alter geschenkt, und sein Zauber verjüngt mich jedesmal, wenn meine Sohle seinen geliebten Boden berührt“. Weitere Informationen: www.literarisch-reisen.de

Foto: Kreideküste Rügens, Quelle der Inspiration für viele Dichter (TMV/Werk3)

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