24. Mai 2010 | Nr. 78/10 | Kategorie: 12 Literarisches MV

Literaturhäuser – einstige Wirkungsstätten der Schriftsteller

Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz

2006 eröffnete in der Kleinstadt Klütz in Nordwestmecklenburg das Uwe Johnson Literaturhaus. Es befindet sich in der Nähe des Marktplatzes in einem umgebauten Getreidespeicher aus dem Jahr 1890 und beherbergt deutschlandweit die erste Dauerausstellung über den Schriftsteller (1934-1984), der es unter anderem mit seinem vierbändigen Werk „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ zu überregionaler Bekanntheit gebracht hat. In Klütz selbst hat Uwe Johnson nie gelebt, dennoch lieferte Klütz einige Anregungen für seinen literarischen Ort „Jerichow“. Davon zeugen auch direkte Anspielungen in den „Jahrestagen“ wie zum Beispiel: „Manchmal, und öfter, benähmen sich die Jerichower als wären sie Klützer.“ Die Dauerausstellung umfasst zwei Ebenen: Unter dem Motto „Verzweigungen“ werden in der ersten Ausstellungsebene wichtige Informationen über Uwe Johnson, die auch die Werkrezeption erleichtern, präsentiert. Die zweite Ebene beschäftigt sich unter dem thematischen Aspekt der „tatsächlichen Erfindungen“ mit der literarischen Arbeitsweise des Schriftstellers. Die Verbindung von literarischer Fiktion und dem realen Ort sowie die Bedeutung Mecklenburgs in Uwe Johnsons Werk wird exemplarisch am Roman „Jahrestage“ vorgestellt. Ganzjährig finden literarische Veranstaltungen, Ausstellungen und Workshops statt. Das Literaturhaus beherbergt auch die Stadtinformation und die Bibliothek. Hier wird Gästen bei der Suche nach einen Ferienquartier geholfen, und es werden Eintrittskarten für Veranstaltungen in der Region verkauft. Bis zum 31. März hat das Literaturhaus donnerstags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet. Vom 1. April bis zum 31. Oktober werden Besucher dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr empfangen, Montag ist das Literaturhaus geschlossen. Weitere Informationen: www.literaturhaus-uwe-johnson.de


Hans-Fallada-Haus in Carwitz

Hans Fallada, geboren in der Hansestadt Greifswald, lebte von 1933 bis 1944 in Carwitz bei Feldberg. Sein Anwesen beherbergt heute das Hans-Fallada-Museum, wo ganzjährig Führungen, literarische Spaziergänge, Vorträge und Lesungen angeboten werden. Darüber hinaus verfügt das Haus über ein modernes Audio-Führungssystem sowie Angebote für Kinder.

Die jährlich in der Zeit um Falladas Geburtstag (21. Juli) stattfindenden Hans-Fallada-Tage in Feldberg/Carwitz mit Lesungen bekannter und beliebter Autoren und einem traditionellen Kinderfest haben das Feldberger Land weit über die Region hinaus bekannt gemacht. In diesem Jahr lädt die Hans-Fallada-Gesellschaft vom 23. bis 25. Juli 2010 zu den 20. Hans-Fallada-Tagen ein. Gemeinsam mit dem Literaturzentrum Neubrandenburg wird ein abwechslungsreiches Programm mit Schriftstellerlesungen, Konzerten, Ausstellungen für Kinder und Erwachsene angeboten. Die Hans-Fallada-Gesellschaft verwaltet den Carwitzer Hof des Schriftstellers und führt das Museum. Neben den Hans-Fallada-Tagen liest Museumsleiter Dr. Stefan Knüppel freitags im Scheunensaal des Museums in der Carwitzer Lesestunde beispielsweise aus „Der eiserne Gustav“ (21. Mai) oder „Penne“ (11. Juni). Das Programm der Carwitzer Lesestunde für das Jahr 2010 ist dem Internetauftritt www.fallada.de zu entnehmen. Geöffnet hat das Museum von April bis Oktober von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr und von November bis März von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr.

Informationen: Hans-Fallada-Gesellschaft e.V., Tel./Fax: 039831 20 3 59, www.fallada.de


Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin

Die Insel Usedom als Gründungsort der „Gruppe 47“ erinnert gern an solche Meilensteine des literarischen Lebens im einst geteilten Deutschland wie die regelmäßigen Treffen deutscher Schriftsteller, die im Jahre 1947 ihren Anfang nahmen. Im Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin finden daher regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Das ehemalige Pumpenhaus der Bansiner Feuerwehr beherbergt heute eine Dauerausstellung, eine Bibliothek und das Arbeitszimmer des Autors („Spuren im Sand“, „Bansiner Geschichten“, „Die Stunde der falschen Triumphe“). Besondere Ausstellungsstücke erinnern an ihn als den Initiator und Leiter der „Gruppe 47“, der für die Geschichte der jungen Bundesrepublik bestimmenden Literaturvereinigung. Während der Saison finden regelmäßig freitags Lesungen im „Günter-Grass-Zimmer“ statt, in dem eine Reihe bemerkenswerter Original-Grafiken von Günter Grass zu sehen sind. Das Haus ist von Mai bis September Dienstag bis Sonntag 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr und von Oktober bis April Dienstag bis Sonntag 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet.

Informationen: Hans-Werner-Richter-Haus, Tel.: 038378 47 80 1, www.drei-kaiserbaeder.de


Brigitte-Reimann-Haus in Neubrandenburg

1968 zog die Schriftstellerin von Hoyerswerda nach Neubrandenburg, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1973 in der Erdgeschosswohnung einer kleinen, alten Villa mit Erker, Terrasse und romantischem Garten lebte. An dieser Stelle steht nun das Brigitte-Reimann-Literaturhaus. Neben klassischen Autorenlesungen finden hier gemeinsame Aktionen von Schriftstellern und Malern oder Musikern statt, werden Buchpremieren gefeiert, gibt es Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, regelmäßige Treffen von Freizeitautoren, Literaturwerkstätten, Diskussionsrunden und ein Bildungsangebot für Literatur verbreitende Berufe. Eine ständige Ausstellung erinnert an Brigitte Reimann. Das Archiv des Hauses kann von Wissenschaftlern aus aller Welt, die zu Brigitte Reimann forschen, genutzt werden. Die Brigitte-Reimann-Ausstellung ist dienstags von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 16.00 Uhr und jeden ersten Sonnabend im Monat von 10.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Besuche außerhalb der Öffnungszeiten und Führungen sind nach Absprache möglich.

Information: Brigitte-Reimann-Literaturhaus, Tel.: 0395 / 57 191 82, www.literaturzentrum-nb.de


Gerhart Hauptmann auf Hiddensee

Als das „geistigste aller deutschen Seebäder“ bezeichnete Gerhart Hauptmann (1862-1946) die Insel Hiddensee, die er als Schauplatz seines Dramas „Gabriel Schillings Flucht“ wählte und ihr damit ein literarisches Denkmal setzte.

Im Haus „Seedorn“ in Kloster war er bereits 1926 Sommergast, 1930 kaufte Hauptmann das Haus, in dem er bis 1943 mit seiner zweiten Frau Margarete Marschalk die Sommermonate verbrachte. Seit seinem 10. Todestag 1956 ist das Haus „Seedorn“ Gedenkstätte und kulturelles Zentrum von Kloster, hier finden Lesungen, Vorträge und Konzerte statt. Hauptmanns Wohnräume findet man so gut wie unverändert vor: Schreibtisch, Stehpult, Tisch, Bücher und nachts verfasste Notizen an der Wand über dem Bett. Das Haus ist ausgestattet mit Bildern und Skulpturen seiner Malerfreunde und seines Sohnes Ivo Hauptmann. Arbeitszimmer und Schlafräume, Kreuzgang und Weinkeller, Terrasse und Park vermitteln einen Eindruck, wie die Künstler auf der Insel der Fischer, Maler und Poeten in den „goldenen“ zwanziger Jahren lebten. Das Grab des Dichters, das ein riesiger Findling schmückt, befindet sich hinter der Inselkirche. Das Gerhart-Hauptmann-Haus ist im April montags bis samstags von 11.00 bis 16.00 Uhr, von Mai bis Oktober täglich 10.00 bis 17.00 Uhr, im November und im März dienstags bis samstags von 11.00 bis 14.00 Uhr und im Dezember, Januar und Februar donnerstags von 11.00 bis 14.00 Uhr bzw. nach Voranmeldung geöffnet. Informationen: Gerhart-Hauptmann-Haus, Kirchweg 13, 18565 Kloster, Tel.: 038300 / 397, www.gerhart-hauptmann.de

 

Kempowski-Archiv in Rostock

In seiner Romanreihe „Deutsche Chronik“ erzählte und karikierte der Schriftsteller Walter Kempowski das Leben der bürgerlichen Familie in seiner Heimatstadt Rostock. Heute zählt er zu den meist gelesenen deutschen Autoren. Was den Schriftsteller mit der Stadt verbindet, ist im Rostocker Kempowski-Archiv zu sehen. Neben dem Rohmaterial seiner Rostock-Bücher zeigt das Kempowski-Archiv auch Zeugnisse, die Kempowski mit seiner Kindheit in Rostock verbinden, darunter Spielzeug, Gemälde und die Bibliothek seiner Eltern. Das Archiv ist dienstags bis sonntags von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet, donnerstags von 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr. Weitere Informationen unter der Rufnummer +49 (0)381-203 75 40 oder unter www.kempowski-archiv-rostock.de

Ehm Welk-Haus in Bad Doberan

Das Ehm Welk-Haus in Bad Doberan empfängt seine Besucher als kulturelle Begegnungsstätte, in der sie sich wochentags in drei Ausstellungsbereichen, die sich in der Diele des Hauses, in Welks Sommerarbeitsraum sowie im Gartenhäuschen befinden, über Leben und Werk des Autors  informieren können. Der Schriftsteller, der unter anderem „Die Heiden von Kummerow“ und „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ verfasste, verbrachte in dem Klinkerbau am Rande der Stadt seine letzten 16 Lebensjahre. Sein Arbeitszimmer, in dem beispielsweise der Erzählband „Mein Land das ferne leuchtet“ entstand, können Gäste in seinem Originalzustand mit einer 5000 Bände umfassenden Bibliothek erleben. Das ehemalige Wohnzimmer dient heute als Veranstaltungsort für Lesungen, kleine Konzerte, Kabarettabende, Puppentheater und Ausstellungseröffnungen.

Das Ehm Welk-Haus ist vom 15. Mai bis 15. September von Dienstag bis Freitag 10.00 bis 12.00 und 13.00 bis 16.30 Uhr sowie am Sonnabend von 13.00 bis 16.30 Uhr geöffnet. Vom 16. September bis 14. Mai empfängt es Besucher von Dienstag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 und von 13.00 bis 16.00 Uhr sowie am Sonnabend von 13.00 bis 16.00 Uhr. Nach vorheriger Anmeldung sind Besichtigungen auch außerhalb dieser Zeiten möglich. Weitere Informationen: Tel./Fax: 038203-62325, www.bad-doberan.de, E-Mail: stadtmuseum@moeckelhaus.de

Museum „Villa Irmgard“ in Heringsdorf auf der Insel Usedom

In der Maxim-Gorki-Straße 13 im Seebad Heringsdorf, nur wenige Meter vom Ostseestrand entfernt, befindet sich das Museum „ Villa Irmgard“. Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurde das Haus im neoklassizistischen Stil errichtet. Hier lebten und arbeiteten bekannte Persönlichkeiten, vor allem der russische Dichter Maxim Gorki (1868-1936), der in Heringsdorf im Jahr 1922 einen mehrmonatigen Kuraufenthalt verbrachte. Darüber hinaus waren Alexej Tolstoi oder Fedor Schaljapin in dem historischen Gebäude zu Gast. Maxim Gorki liebte Heringsdorf, die klare Seeluft, Sonne und Strand. In der Villa richtete er sich ein Wohn- und Arbeitszimmer ein, das bis in die heutige Zeit weitgehend unverändert erhalten ist. In den Ausstellungsräumen auf zwei Etagen erwarten die Besucher wechselnde Bilder-Ausstellungen oder Wissenswertes aus der Geschichte des Seebades. Zudem finden regelmäßig Buchlesungen oder kleine Konzerte und Theateraufführungen statt.

Das Museum „Villa Irmgard“ ist von Mai bis September Dienstag bis Sonntag von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr und von Oktober bis April Dienstag bis Sonntag von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter der Rufnummer 038378/22361, www.usedom.de, www.drei-kaiserbaeder.de

Foto: Villa Irmgard in Heringsdorf (TMV)

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