08. Apr 2010 | Nr. TPD 2/10 | Kategorie: 14 Schlösser und Gärten

Kronjuwelen Mecklenburg-Vorpommerns

Die Residenzen der Landesfürsten
Die Staatlichen Schlösser und Gärten, einst Residenzen der Herzöge, gelten als Kronjuwelen in der vielfältigen Schlösserlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Zu den beeindruckendsten Anlagen zählen die mecklenburgischen Schlösser in Schwerin, Ludwigslust und Güstrow mit ihren Parks und Gärten. Nach wie vor Regierungssitz ist das Schloss Schwerin, auf einer Insel im Schweriner See gelegen.

Nachdem der Hof des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin im Jahre 1837 von Ludwigslust nach Schwerin zurückgekehrt war, plante Großherzog Friedrich Franz II ein Schloss auf der Insel im Schweriner See, auf der bis 1160 schon die Burg „Zuarin“ des Obotritenfürsten Niklot gethront hatte. Die vom Herzogshaus beauftragten Architekten Demmler und Willebrand entwarfen ein neues Konzept, angelehnt an das größte Schloss der Loire-Region: Château Chambord. Nach vielen Entwürfen, unter anderem von Gottfried Semper, gelang es den Architekten, einen Renaissancebau zu errichten, dessen goldene Kuppel der Silhouette der Landeshauptstadt bis heute die höfische Eleganz verleiht.

Heute beherbergt das Schloss nicht nur den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns, sondern heißt als Museum auch Besucher willkommen. In der Beletage des Schlosses, den ehemaligen Wohn- und Gesellschaftsräumen der Großherzogin, wird heute Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts in Räumen vorgestellt, die Auskunft geben über Innenarchitektur sowie künstlerische und handwerkliche Leistungen während des Historismus. In der Festetage lagen Wohnung und Repräsentationsräume des Großherzogs. Hier befinden sich u. a. der Thronsaal als bedeutendster Festsaal des Schlosses und die Ahnengalerie, die in lückenloser Reihenfolge Gemälde aller regierenden Herzöge der Dynastie Mecklenburgs vom 14. bis zum 18. Jahrhundert enthält. Zur Schlossanlage gehört darüber hinaus die Renaissancekapelle, die im 16. Jahrhundert als erste protestantische Kirche Mecklenburgs errichtet wurde. Besucher können die Schlossbesichtigung auch mit einem Bummel durch den Burggarten verbinden. Angelegt im Stil einen englischen Landschaftsgartens, enthält er seltene Gehölze. Eine terrassenförmige Anlage, die Orangerie und eine Grotte, durch die, der Sage nach, der Schlossgeist, das Petermännchen, die einstige Fürstenresidenz noch heute betritt. Das Schlossmuseum hat vom 15. Oktober bis zum 14. April dienstags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, vom 15. April bis 14. Oktober täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Weitere Informationen: www.schloss-schwerin.de

Herzog Christian II. Ludwig ließ von 1772 bis 1776 sein Jagdhaus in Ludwigslust durch das prächtige Residenzschloss von Johann Joachim Busch ergänzen. Schloss Ludwigslust ist der Mittelpunkt einer noch heute vollständig erhaltenen barocken Stadtanlage. Unter Herzog Friedrich und Großherzog Friedrich Franz I. war es bis 1837 Hauptresidenz.

Heute spiegeln hervorragende Sammlungen des 18. Jahrhunderts, u. a. Gemälde, Möbel, Miniaturen und vergoldete Dekorationen aus Ludwigsluster Karton, einer besonderen Art Papiermaché, die Glanzzeit der Residenz wider. Besonders prächtig ausgestattet sind der Goldene Saal und die Räume der Festetage. Sie veranschaulichen höfische Kunst und Wohnkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Der Ludwigsluster Schlosspark ist dank seiner Wasserspiele, Gartenarchitekturen und dendrologischen Besonderheiten einer der schönsten im Norden Deutschlands. Am 15. und 16. Mai 2010 empfängt das Schloss seine Besucher zum 14. Barockfest und am zweiten Augustwochenende wird der Schlossgarten jedes Jahr zur Kulisse für das Kleinkunstfestival „Kleines Fest im großen Park“. Das Schloss Ludwigslust empfängt seine Besucher vom 15. Oktober bis zum 14. April dienstags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, vom 15. April bis 14. Oktober täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Weitere Informationen: www.schloss-ludwigslust.de.

Das im Norden Deutschlands einmalige Renaissanceschloss Güstrow entstand ab 1558 als repräsentative Residenz Herzog Ulrichs von Mecklenburg. Die reiche Ausstattung mit üppigen Stuckdekorationen kündet ebenso vom herrschaftlichen Anspruch der früheren Hofhaltung wie das barock-klassizistische Torhaus und das nach historischen Stichen neu angelegte Gartenparterre.

Von führenden italienischen und niederländischen Baumeistern geprägt, präsentiert Schloss Güstrow heute Kunst aus Antike, Mittelalter und Renaissance, Glas von der Antike bis zur Moderne, Jagd- und Prunkwaffen sowie Kunst nach 1945 und Installationen zeitgenössischer Kunst in historischen Räumen. Der Rundgang durch das Renaissanceschloss lässt eine fast zweitausendjährige Kunsttradition lebendig werden und veranschaulicht geistige wie formale Kontinuitäten und Brüche. Bis zum 14. April empfängt das Schloss seine Besucher von dienstags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr, vom 15. April bis 14. Oktober steht es täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr offen. Öffentliche Führungen finden bei einer Mindestteilnehmerzahl von zehn Personen samstags, und sonntags um 14.00 Uhr statt. Weitere Informationen: www.schloss-guestrow.de

Am 17. Juli 2010 lädt Schloss Güstrow ab 18.00 Uhr zum traditionellen „Sommertraum am Alten Schloss“ ein. Das internationale Kleinkunstfest hat sich als sommerlicher Kulturhöhepunkt in Mecklenburg-Vorpommern etabliert – ausgerichtet vom Staatlichen Museum Schwerin und unterstützt von Sponsoren und zahlreichen regionalen Unternehmen.

Der Renaissancegarten mit seinen Lavendelbeeten, Hainbuchen-Laubengängen und dem Wassergraben sowie der Schlosshof mit seinem südländischen Flair bilden einen stimmungsvollen Rahmen für poetische Zaubergestalten, atemberaubende Trapeznummern, Musik-Comedy, Jonglage, Magie, beschwingte Rhythmen, ein Feuerwerk und Wasserspiele.

Ein weiterer Herzogssitz liegt in der Mecklenburgischen Seenplatte nahe Neustrelitz. Das Schloss Hohenzieritz, erbaut 1746 bis 1751, war Herzogssitz Karls des II. von Mecklenburg-Strelitz und ist darüber hinaus als Sterbeort von Preußens Königin Luise bekannt geworden, die hier 1810 während eines Besuchs bei ihrem Vater starb. Im Erdgeschoss finden Besucher das Sterbezimmer der Königin. Eine Gedenkstätte informiert umfassend über die als anmutig und klug geltende Prinzessin aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz. Darüber hinaus beherbergt das Schloss das Nationalparkamt Müritz und ist Ausgangspunkt der Königin-Luise-Route, die durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin führt.

Hinter dem Schloss erstreckt sich einer der frühesten Landschaftsgärten des Landes, der ab 1771 von dem englischen Gartenarchitekten Archibald Thomson geschaffen wurde. Vom 1. März bis zum 31. Oktober 2010 ist anlässlich des 200. Todestages von Königin Luise die Sonderausstellung „Von Hannover bis Charlottenburg – das Leben einer großen Königin“ im Schloss Hohenzieritz zu sehen. Darüber hinaus werden Gäste am 19. Juli zu einer Festveranstaltung empfangen, in deren Rahmen die Ausstellung „Luise. Der Tod der Königin“ eröffnet wird. Ab 19.00 Uhr musiziert die Staatskapelle Mecklenburg-Vorpommern im Schlosspark.

Geöffnet ist das Schloss von März bis Oktober dienstags bis freitags von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 15.00 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Gruppen und Gäste, die eine Führung wünschen, können sich unter den Telefonnummern 039824 20020 und 0173 6394945 anmelden. Weitere Informationen: www.koenigin-luise-route.de, www.neustrelitz.de

Inmitten der weitläufigen Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte nahe Neustrelitz liegt in romantischer Lage auf einer Insel ein weiteres Märchenschloss, das allerdings bislang noch im Dornröschenschlaf liegt: das Schlossensemble von Mirow.

Adolph Friedrich II. (1701–1708) von Mecklenburg-Strelitz, der erste Fürst dieses Herzogshauses, ließ für seine Gemahlin um 1707 das Schloss in Mirow errichten. Ihr Sohn Carl trug später den Beinamen „Prinz von Mirow“. Er war der Vater von Queen Charlotte und ihrem Bruder, die beide in Mirow geboren wurden und aufwuchsen. Auch der Vater von Königin Luise von Preußen war ein Sohn des Prinzen von Mirow. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss um 1753, als die zweite Eigentümerin, Herzogin Elisabeth Albertine, es nach ihrem Geschmack modernisieren ließ.

1761 endete die ständige Hofhaltung in Mirow, da die herzogliche Familie nun in Neustrelitz residierte. Das Schloss in Mirow wurde bis zum Ende des Herzogtums als Sommersitz genutzt. Im Inneren des Schlosses haben sich bis heute große Teile der kostbarsten Raumausstattungen aus den Zeiten der verwitweten Herzoginnen erhalten. Gegenwärtig wird das Schloss saniert. In der Remise finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt.

Tipp für Kulturliebhaber: Im Oktober 2010 laden einige Schlösser, Parks- und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommerns zum Schlösserherbst ein. Dieser ist gespickt mit zahlreichen Veranstaltungen, im Mittelpunkt aber stehen die Häuser selbst, die mit ihrer wechselvollen Geschichte und den herbstlichen Ideen den romantischen und gleichzeitig herrschaftlichen Rahmen der Veranstaltung bieten. Weitere Informationen: www.auf-nach-mv.de


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